Allein in einem großen Hotel in einer fremden Stadt. Ideale Bedingungen, um einsam zu sein.
Für Palma de Mallorca war Regen vorausgesagt, aber als ich aus dem Flughafen kam, schien die Sonne. Die Straßen waren noch feucht, die Luft rein und frisch und klar, und beim Anblick der Kathedrale ging mir das Herz auf.
Und als die Frau, die an der Kreuzung neben dem Hotel auf der Erde saß, mich anlächelte, als ich ihr etwas gab, und mir sagte: herzlich willkommen, da dachte ich, dass es gut ist, hier zu sein. Ein Gedanke, der sich verstärkte, als mir eine halbe Stunde später eine Frau in einem Reformhaus eine Probe schenkte von einem Artikel, den ich eigentlich kaufen wollte. Und etwas später, im Restaurant des Hotels, saß ich ziemlich lange und wartete, dass der Kellner zu mir kommt. Warten im Restaurant, damit man bedient wird, fällt mir immer schwer, aber erst recht, wenn ich allein bin. Und dann noch in einer fremden Stadt, mit der ganzen Unsicherheit. Aber dann kam der Kellner und brachte eine Schale mit Oliven als Entschuldigung. Dabei hatte ich gar nichts gesagt. Überhaupt habe ich heute wenig gesagt, ich bin eben allein unterwegs.
Im Restaurant am Tisch nebenan saß ein deutsches Ehepaar, vielleicht ein paar Jahre älter als ich, und ich tat, was man tut, wenn man allein ist, man hört, was die Leute nebenan sich sagen.
Ein Satz der Frau zu ihrem Mann ist mir hängen geblieben: Jetzt haben wir den ganzen Tag miteinander gesprochen
6. März 2012
5. März 2012
Einsamkeit als Prozess
Zuerst haben wir auf die Einsamkeit angestoßen, mit spanischem Rotwein, den der Franzose mitgebracht hatte. Dann haben wir uns auf die englische Sprache geeinigt, die alle vier sprechen, obwohl wir zwischendurch immer wieder ins Deutsche und Französische und Spanische gesprungen sind. Wir hatten fünf vergnügliche Stunden miteinander, der Franzose, der Spanier, die Norwegerin und ich, die Deutsche.
Einsamkeit ist international.
Nach diesem Abend habe ich keine Angst mehr davor, einsam zu sein, weil mir durch das Gespräch mit den anderen klar geworden ist, dass ich mich mehr vor dem Wort und der Bedeutung, die es für mich hat, fürchte als vor der Einsamkeit an sich, die mir durchaus bekannt ist, die ich aber eher verschleiert habe, sowohl vor mir selbst als auch vor anderen.
Mir fehlte Selbstbewußtsein in diesem Aspekt. Daher war der Abend mit den selbstbewußten Einsamen eine Befreiung und eine Wohltat für mich. Meine Angst konnte sich in der Gesellschaft mit ihnen auflösen. Ob diese Angstfreiheit von Dauer sein wird, wird sich zeigen, aber ich bin zuversichtlich.
Niemand hat seine Einsamkeit gepriesen, aber alle waren sich einig, dass sich bestimmte innere Prozesse nur in Einsamkeit entwickeln können. Es geht dabei um Reifeprozesse, in denen man sich selbst besser kennen lernt. Die Motivation dafür ist bei jedem eine andere, aber sie ist Ausdruck von Individualität und Entschiedenheit, was zu beeindruckender Authentizität führt.
Nach fünf Stunden, mit einem vegetarischen Essen und Rotwein, danach Schokolade, Tee und Sherry, Lachen und Schweigen, Zuhören und Reden, fühle ich mich sehr inspiriert, das Thema Einsamkeit im Alter intensiver zu bearbeiten. Jetzt, wo ich die Angst vor der eigenen Einsamkeit verloren habe, taucht die Lust am Thema auf, und das ist mir ein gutes Zeichen.
Ich bin den drei Einsamen sehr dankbar für ihre Bereitschaft, sich auf das Thema eingelassen zu haben. Und wir haben ein weiteres Treffen ausgemacht. In drei Wochen treffen wir uns bei dem Spanier zur vegetarischen Paella. Ich werde darüber berichten.
Einsamkeit ist international.
Nach diesem Abend habe ich keine Angst mehr davor, einsam zu sein, weil mir durch das Gespräch mit den anderen klar geworden ist, dass ich mich mehr vor dem Wort und der Bedeutung, die es für mich hat, fürchte als vor der Einsamkeit an sich, die mir durchaus bekannt ist, die ich aber eher verschleiert habe, sowohl vor mir selbst als auch vor anderen.
Mir fehlte Selbstbewußtsein in diesem Aspekt. Daher war der Abend mit den selbstbewußten Einsamen eine Befreiung und eine Wohltat für mich. Meine Angst konnte sich in der Gesellschaft mit ihnen auflösen. Ob diese Angstfreiheit von Dauer sein wird, wird sich zeigen, aber ich bin zuversichtlich.
Niemand hat seine Einsamkeit gepriesen, aber alle waren sich einig, dass sich bestimmte innere Prozesse nur in Einsamkeit entwickeln können. Es geht dabei um Reifeprozesse, in denen man sich selbst besser kennen lernt. Die Motivation dafür ist bei jedem eine andere, aber sie ist Ausdruck von Individualität und Entschiedenheit, was zu beeindruckender Authentizität führt.
Nach fünf Stunden, mit einem vegetarischen Essen und Rotwein, danach Schokolade, Tee und Sherry, Lachen und Schweigen, Zuhören und Reden, fühle ich mich sehr inspiriert, das Thema Einsamkeit im Alter intensiver zu bearbeiten. Jetzt, wo ich die Angst vor der eigenen Einsamkeit verloren habe, taucht die Lust am Thema auf, und das ist mir ein gutes Zeichen.
Ich bin den drei Einsamen sehr dankbar für ihre Bereitschaft, sich auf das Thema eingelassen zu haben. Und wir haben ein weiteres Treffen ausgemacht. In drei Wochen treffen wir uns bei dem Spanier zur vegetarischen Paella. Ich werde darüber berichten.
4. März 2012
29. Februar 2012
"Ich bin gerne einsam".
Es fällt mir schwer, diesen Satz zu glauben. Aber in letzter Zeit habe ich ihn drei Mal gehört, von drei verschiedenen Menschen, einer Frau und zwei Männern.
Für mich ist Einsamkeit nichts, was ich mir wünsche. Alleinsein hingegen war immer schon wichtig für mich, und wenn ich nicht genug allein bin, dann werde ich nervös und nerve andere. Offensichtlich brauche ich ein bestimmtes Maß an Alleinsein, aber ich weiß, dass es besser für mich ist, die Grenze zur Einsamkeit nicht zu überschreiten. Ich möchte nicht einsam sein.
Aber Menschen, die einsam sein wollen, die die Einsamkeit suchen und sagen: ich bin gern einsam, die interessieren mich. Ich möchte verstehen, was an Einsamkeit schön sein kann. Also habe ich die Frau und die beiden Männer, die gern einsam sind, zum Essen eingeladen. Am Wochenende werde ich für sie kochen und versuchen herauszufinden, was ihre Einsamkeit ausmacht und wieso sie gern einsam sind.
Ich werde darüber berichten.
Für mich ist Einsamkeit nichts, was ich mir wünsche. Alleinsein hingegen war immer schon wichtig für mich, und wenn ich nicht genug allein bin, dann werde ich nervös und nerve andere. Offensichtlich brauche ich ein bestimmtes Maß an Alleinsein, aber ich weiß, dass es besser für mich ist, die Grenze zur Einsamkeit nicht zu überschreiten. Ich möchte nicht einsam sein.
Aber Menschen, die einsam sein wollen, die die Einsamkeit suchen und sagen: ich bin gern einsam, die interessieren mich. Ich möchte verstehen, was an Einsamkeit schön sein kann. Also habe ich die Frau und die beiden Männer, die gern einsam sind, zum Essen eingeladen. Am Wochenende werde ich für sie kochen und versuchen herauszufinden, was ihre Einsamkeit ausmacht und wieso sie gern einsam sind.
Ich werde darüber berichten.
27. Februar 2012
Wenn Bindungen nicht halten, kann man es mit Beziehungen versuchen. Immer wieder.
Wenn die Familie nicht hält, wenn die Eltern gestorben sind und wenn die Geschwister, der Ehemann oder die Ehefrau und gar die Kinder andere Wege gehen als man selbst, dann kann es passieren, dass man im Alter ohne soziale Bindungen dasteht.
Und was dann?
Ich finde, wenn Bindungen nicht halten, kann man es mit Beziehungen versuchen. Immer wieder. Auch im Alter. Aber beim Älterwerden ändern sich die Beziehungsmöglichkeiten und die Anliegen, die man an eine Beziehung hat. Und ich meine nicht nur Liebesbeziehungen, sondern soziale Beziehungen jeglicher Art.
Beziehungen haben eine andere Struktur als Bindungen. Wer aneinander gebunden ist, ist zwar meist auch aufeinander bezogen, aber nicht immer auf positive Art und Weise.
Familiäre Bindungen halten sogar mit einem Minimum an Beziehung, und nicht selten basieren sie auf Beziehungen, die eher negativ geladen sind. Wer kennt das nicht, dass man genervt ist von der Mutter und den Vater am liebsten gar nicht sehen möchte. Oder dass man die Frau zum Teufel wünscht oder den Mann unerträglich findet. Dennoch leben die meisten Menschen weiterhin in diesen Bindungen, und offensichtlich können Negativbeziehungen eine Bindung genau so fest schnüren wie Positivbeziehungen.
Am schönsten sind natürlich Bindungen, die mehr aus positiven als aus negativen Beziehungselementen bestehen.
Wenn aber keine der Bindungen, die wir im Lauf unseres Lebens eingegangen sind, überdauert hat und man im Alter allein da steht, dann wird es Zeit, sich um Beziehungen zu kümmern.
Die Frage ist WIE?
Und was dann?
Ich finde, wenn Bindungen nicht halten, kann man es mit Beziehungen versuchen. Immer wieder. Auch im Alter. Aber beim Älterwerden ändern sich die Beziehungsmöglichkeiten und die Anliegen, die man an eine Beziehung hat. Und ich meine nicht nur Liebesbeziehungen, sondern soziale Beziehungen jeglicher Art.
Beziehungen haben eine andere Struktur als Bindungen. Wer aneinander gebunden ist, ist zwar meist auch aufeinander bezogen, aber nicht immer auf positive Art und Weise.
Familiäre Bindungen halten sogar mit einem Minimum an Beziehung, und nicht selten basieren sie auf Beziehungen, die eher negativ geladen sind. Wer kennt das nicht, dass man genervt ist von der Mutter und den Vater am liebsten gar nicht sehen möchte. Oder dass man die Frau zum Teufel wünscht oder den Mann unerträglich findet. Dennoch leben die meisten Menschen weiterhin in diesen Bindungen, und offensichtlich können Negativbeziehungen eine Bindung genau so fest schnüren wie Positivbeziehungen.
Am schönsten sind natürlich Bindungen, die mehr aus positiven als aus negativen Beziehungselementen bestehen.
Wenn aber keine der Bindungen, die wir im Lauf unseres Lebens eingegangen sind, überdauert hat und man im Alter allein da steht, dann wird es Zeit, sich um Beziehungen zu kümmern.
Die Frage ist WIE?
26. Februar 2012
"Irgendwo muss man sich die Freundschaft holen"
Aus dem Buch "Mythos Alter" von Betty Friedan:
"Als Epidemiologen der Yale University die Überlebensrate von siebentausend Kaliforniern überprüften, deren Gesundheitszustand und Lebensstil seit 1965 dokumentiert war, stellten sie fest, dass die Sterblichkeit bei relativ isolierten Personen zweieinhalb mal so hoch war wie bei Personen mit starken sozialen Bindungen (womit verschiedene Kombinationen von Ehe, Freundschaften, Kirche und informellen Kontakten gemeint waren.) Die "verblüffendste Entdeckung" war, so die Yale-Epidemiologin Lisa Berkmann, dass "die Menschen Ersatzstrukturen schaffen können. Man braucht nicht unbedingt eine Familie, aber irgendwo muss man sich die Freundschaft holen - irgend etwas braucht der Mensch". "
"Als Epidemiologen der Yale University die Überlebensrate von siebentausend Kaliforniern überprüften, deren Gesundheitszustand und Lebensstil seit 1965 dokumentiert war, stellten sie fest, dass die Sterblichkeit bei relativ isolierten Personen zweieinhalb mal so hoch war wie bei Personen mit starken sozialen Bindungen (womit verschiedene Kombinationen von Ehe, Freundschaften, Kirche und informellen Kontakten gemeint waren.) Die "verblüffendste Entdeckung" war, so die Yale-Epidemiologin Lisa Berkmann, dass "die Menschen Ersatzstrukturen schaffen können. Man braucht nicht unbedingt eine Familie, aber irgendwo muss man sich die Freundschaft holen - irgend etwas braucht der Mensch". "
21. Februar 2012
Deutsche und Schweizer, Männer und Frauen, die an Demenz erkrankt sind, leben in Thailand
und erfahren dort eine Betreuung, wie sie ihnen zuhause nicht zuteil werden kann. Im Film werden einige befragt: http://www.spiegel.tv/filme/alzheimer-magazin/
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